| Isabelle Giroux Meine Reise nach Senegal |
![]() |
|
In den Weihnachtsferien habe ich an einem Senegal-Workshop mit Mamadou Fall teilgenommen. Nach zwei Jahren Tanzunterricht bei Mamadou in München hatte ich beschlossen, meinen Traum von einer Tanzreise wahr zu machen. Ich wollte die Bedeutung des afrikanischen Tanzes in seiner ursprünglichen Umgebung erfahren. Mehr noch als auf das perfekte Erlernen der Technik war ich auf den geistigen Hintergrund neugierig. So verbrachte ich zwei Wochen in Toubab Dialaw, an der "Petite-Côte", 50 Kilometer südlich von Dakar. Das Dorfleben war bestimmt vom Ryhthmus der hinaus fahrenden und zurück kehrenden Fischerboote, die wir täglich von der Terrasse unseres Hotels aus beobachten konnten, dort, wo der Tanzunterricht und die Trommelkurse stattfinden. Ich habe den Tanz als eine Art Dialog mit dem Trommler erlebt. Er führt den Takt der Unterhaltung an. Und wenn er mit ganzem Herzen spielt, wenn er es versteht, seine Technik in den Dienst der Tänzer zu stellen, dann ist der Austausch intensiv. Dann wird das Tanzen wahrhaftig, leicht und raumgreifend. Über die sprachlichen und kulturellen Schwellen hinweg, ist es diese emotionale Kommunikation, die den Zugang zu den Menschen ermöglicht. Ich habe die Begeisterung der Trommler empfunden, wenn alte Djembé-Rythmen gespielt werden, wie nur noch Mamadou sie kennt. Bei senegalesischen Festen war besonders die außerordentliche Einheit zwischen dem Sabar-Trommler und der Tänzerin spürbar. Hier drückt sich die Kraft und die Kreativität einer jeden Persönlichkeit aus. Und das ist vielleicht das Wunderbare am afrikanischen Tanz: Er schenkt jedem, Europäern eingeschlossen, die Erfahrung der Freude, sich auf eigene Art auszudrücken, mit oder ohne großes Können. So ist der afrikanische Tanz eine ganz individuelle Ausdrucksform, die über die reine Technik und den Narzissmus westlicher Tanzstile hinausreicht. Gerade, weil er spontan ist und die Lust am Feiern ausdrückt. Das ist besonders schwer für Europäer: Tanz bedeutet Freiheit des Körpers und des Geistes. Tanz bedeutet, sich selbst zu vergessen. Wie Mamadou in seiner afrikanischen Klugheit zu sagen pflegt, man muß Geduld haben. | |
Mit der Reise in den Senegal erfahren die Kurse eine Erweiterung in das Alltägliche hinein: Unsere Tanzgruppe lebt "en famille" mit den Musikern, was wichtig ist, um sich kennenzulernen und sich wohl zu fühlen. Darüber hinaus ist die Reise auch eine Erfahrung in Demut. Wir sind nicht gekommen wie die Kolonialisten, um Afrika unseren Stempel aufzudrücken, sondern, um von Afrika zu lernen und auf die Menschen zuzugehen. | |
|
Es ist nicht nötig, besorgt zu sein. Mamadou ist immer präsent. Er kümmert sich sehr um seine Schüler, ist immer bereit, auf alle Fragen Antwort zu geben. Wie unter den Senegalesen in München, die ihn "Père" (Vater) rufen, ist Mamadou ein Vermittler für die Europäer in Toubab Dialaw. Und diese Reise ist auch eine Erfahrung der Großzügigkeit und des Teilens. Beim Essen eines typisch senegalesischen Gerichts wie Tieboudienne oder Yassa, bei dem dir dein Nachbar von der gemeinsamen Schüssel die besten Stücke zukommen läßt, zeigt sich die wahre afrikanische Gastfreundschaft. | |
![]() Ähnlich wie eine Reise zum Erlernen einer Sprache notwendig ist, ist Afrika eine Bereicherung zum Verständnis des Tanzes. Mir gefällt die Beschreibung der Choreographin Susan Buirge: "Achte darauf, was du tanzt, denn du wirst zu dem, was du tanzt." Über das Tanzen lernt man sich besser kennen, seine eigene Freiheit in der Bewegung sowie die eigene geistige Freiheit. Man lernt wahrzunehmen.
Die Eindrücke anläßlich dieses Workshops im Senegal haben sich tief in meinem seelischen und körperlichen Gedächtnis eingegraben. oder per E-Mail oder Formular anfordern |
|